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Was ist vor der Anschaffung zu bedenken?

Tapetenfressen ist normal!
Tapetenfressen ist normal!

Es ist sinnvoll, dass man sich vor der Anschaffung eines Tieres über seine Bedürfnisse informiert. Wenn man uns hier fragt, würden wir natürlich immer sagen, dass wir unsere kleinen Freunde nie wieder abgeben würden, doch auch so kleine Tiere wie die Nymphensittiche machen Dreck, Arbeit und erfordern eine Menge Aufmerksamkeit. Hier die wichtigsten Punkte, die man sich vor der Anschaffung gut überlegen sollte.

  1. Nymphensittiche leben durchschnittlich 15 - 20 Jahre. Wir haben sogar schon von welchen gehört, die über 30 Jahre alt geworden sind. Das ist eine lange Zeit, für die man Verantwortung übernimmt. Darüber sollte man sich im Klaren sein. Leider werden viele Nymphensittiche schon nach sehr kurzer Zeit wieder abgegeben.
  2. Nymphensittiche brauchen ein geräumiges Heim, also am besten eine Zimmervoliere (150 x 70 cm Grundfläche!). Hier ist mit mindestens 200 Euro für einen Eigenbau zu rechnen. Möchte man eine  Zimmervoliere kaufen, sind mindestens 300 Euro zu veranschlagen. Auch Zubehör und Spielzeug sind oft teurer als man zunächst erwartet. Man sollte sich genau überlegen, ob man sich das leisten kann, und ob man auch bereit ist, so viel Geld auszugeben.
  3. Nymphensittiche sind Schwarmtiere und brauchen entsprechende, artgleiche Gesellschaft.  Einem einzeln gehaltenen Nymphensittich wird immer etwas fehlen. Ohne nymphische Gesellschaft ist die Gefahr groß, dass früher oder später Verhaltensstörungen auftreten.
  4. Auch bei Nymphensittichen müssen täglich Futter und Wasser gewechselt und die Näpfe gereinigt werden. Obst, Gemüse und/oder Grünfutter sollten täglich auf dem Speiseplan stehen. Man sollte genug Zeit für die Pflege des gefiederten Freundes einplanen.
  5. Nymphensittiche können in der Natur bis zu 100 km/h schnell fliegen. Ihr Flugtalent- und bedürfnis ist daher nicht zu unterschätzen. Sie benötigen täglichen, mehrstündigen Freiflug.
  6. Wie jedes andere Haustier machen auch Nymphensittiche in der Wohnung eine Menge Dreck. Aufgrund ihrer Puderdunen stauben sie auch mehr als beispielsweise Wellensittiche und sie mausern zweimal jährlich.
  7. Wir bezeichnen die kleinen Kobolde auch gerne als Flugnager, denn auch wenn ihnen von manchem Papageienexperten kein großer Nagedrang nachgesagt wird, so ist er für die Wohnung nicht zu unterschätzen. Man sollte sich genau überlegen, ob man mit angefressenen Tapeten, Möbeln usw. leben kann.
  8. Der Raum, in dem sich die Nymphensittiche frei bewegen dürfen, birgt einige Gefahren. Giftige Blumen sind ebenso zu entfernen wie freiliegende Kabel, Kerzen und sonstige Gefahrenquellen.
  9. Sicher steht auch mal wieder ein Urlaub ins Haus. Nymphensittiche kann man nicht mitnehmen. Wer kann sie in dieser Zeit versorgen?
  10. Nymphensittichen wird eine robuste Gesundheit nachgesagt, doch können auch sie krank werden. Tierarztbesuche sind oft mit weiten Anreisen verbunden, da es noch immer wenige vogelkundige Tierärzte gibt. Die Kosten für Untersuchungen und Medikamente können in ernsten Fällen schnell auf mehrere hundert Euro ansteigen. Immer wieder stellen die weiten Anreisen, der nicht vorhandene Führerschein, das fehlende Auto, die fehlende Zeit (berufstätig ohne kurzfristig möglichen Urlaub) oder auch Geldmangel ein Problem für die Halter und damit auch ihre Nymphensittiche dar.
  11. Gibt es schon andere Haustiere im Haushalt, mit denen sich die Nymphensittiche womöglich nicht verstehen? Katzen, Hunde und nachtaktive Nagetiere sind keine geeigneten Zimmergenossen.
  12. Wie stehen die anderen Familienmitglieder oder Mitbewohner der Anschaffung gegenüber? Gibt es Allergien gegen Federstaub o.ä., eine hohe Empfindlichkeit gegen Lärm oder womöglich eine generelle Abneigung gegen Tiere oder Vögel?

Nicht sicher? Mache hier den ultimativen Test:

>> Bin ich bereit für Nymphensittiche?

Achtung!

Noch ein Wort an Eltern, die ein passendes Haustier für ihre Kinder suchen.

Nymphensittiche sind keine Schmusetiere, ihre Zähmung erfordert viel Geduld und ihre Pflege einige Zeit des Tages. Ein Kind kann diese Verantwortung und oben angesprochene Folgekosten allein kaum übernehmen.

Bei der Lebenserwartung von Nymphensittichen muss man gerade bei Kindern damit rechnen, dass sie irgendwann das Interesse verlieren. Daher sollten Eltern ihren Kindern die Haustiere erlauben, die sie auch selbst mögen und deren Versorgung sie auch selbst gerne übernehmen würden. Durch die eigene Begeisterung kann man Kinder am besten immer wieder dazu motivieren sich mit den Tieren zu beschäftigen und sie artgerecht zu versorgen.

Autor: Susi, letztes Update: 12.11.2010