Wissen - Lebensraum

Bruno - Bau unserer Außenvoliere mit Schutzhaus

Wie alles begann

Durch den Kontakt mit Papageien und anderen wunderschönen Vögeln bei Reisen in tropische Länder entdeckte meine Lebensgefährtin ihr Interesse für Vögel und entwickelte den "heimlichen Wunsch" sich auch mal eigene Vögel anzuschaffen.

2009 hatte ich zu Weihnachten dann eine tolle Idee für ein Weihnachtsgeschenk. Ich schenkte ihr einen Schwung Bücher über Papageien, Finken und Sittichen. Nach ein paar Tagen schmökern, war die Entscheidung auch schon gefallen. Wir steigen ein in die Vogelhaltung.

Daraus ergaben sich dann viele Fragen.

  1. Haben wir die Zeit, das Geld und die Ausdauer für so ein Hobby?
  2. Innen- oder Außenvoliere?
  3. Welche Vogelart wollen wir halten?
  4. Welche Größe brauchen wir?
  5. Ganz wichtig! Brauchen wir eine Baugenehmigung?

Entscheidungsfindung

  1. Da meine Lebensgefährtin sonst keine echten Hobbys hatte, war die Antwort schnell ein klares "Ja"
  2. Wir haben ein großes Grundstück im ländlichen Raum und wollten keine Tiere im Haus halten. Ergebnis: "Außenvoliere"
  3. Die Wahl der Vogelart wurde schon schwerer. Aber dann waren da diese "Nymphen" einfach unwiderstehlich. Sie erfüllten alle Voraussetzungen:
    • Für Außenhaltung bestens geeignet
    • Relativ kälteresistent 
    • Für uns "Anfänger" gut geeignet
    • Können sehr zutraulich werden
    • Auch mit einigen anderen Arten gut zu vergesellschaften

  4. Genügend Raum für die Tiere sollte es schon sein, also entschieden wir uns für ein Schutzhaus in der Größe 3 x 3 m und die Außenvoli 3 x 4 m
  5. Die Recherche über eine notwendige Baugenehmigung war dann eine böse Überraschung. Ohne Baugenehmigung geht gar nichts.
  6. Erst mal mit unseren Nachbarn reden und Zustimmung holen. Das war zum Glück kein Problem. Fazit war dann erstmal den Bauantrag stellen und abwarten.

Umsetzung des Vorhabens

Erst einmal langes Warten. 5 lange Monate. Endlich dann der glückliche Tag. Die Genehmigung war da. Es konnte endlich losgehen.

Da wir solide bauen wollten und ungebetene Besucher wie Mäuse und Ratten von unten vermeiden wollten entschieden wir uns für eine Betonfundamentplatte. Also rollte der Bagger ran.

Als Schutzhaus kauften wir ein Holzhaus mit 28 mm Wandstärke.

Alle Bauteile wurden gegen Blaufäule zweifach imprägniert und dann mit einer Lasur gestrichen. Die Suche nach "vogelfreundlichen" Anstrichen war gar nicht so einfach. Wir verwendeten nur Produkte auf Wasserbasis. Kostet zwar etwas mehr, sollte aber für die Vögel unschädlich sein.

Das Gute an diesem Haustyp ist, dass durch die Bauweise die Innenabmessungen nur minimal von den Außenabmessungen abweichen. Der Aufbau ging flott von der Hand (2 Tage mit 2 Mann).

Da wir für die Außenvoliere keine Schleuse einbauen wollten (dies kostet nur Raum für die Vögel) bauten wir vom Schutzhaus aus eine zusätzliche Tür ein, um so das Haus gleichzeitig als Schleuse benutzen zu können.

Dann ging es an die Außenvoli. Die Konstruktion entspricht im Grunde einem Carport. Nun entstand die Frage, ob die Konstruktion überdacht werden sollte.

Wir entschieden uns für eine volle Überdachung, da so ein Verschmutzen durch Wildvogelkot verhindert wird. Nachteil ist, dass die Nymphen nicht mehr im Regen duschen können. Nächstes Jahr werden wir deshalb noch eine kleine Dusche einbauen.

Als Dacheindeckung haben wir Drahtglasscheiben verwendet, da diese große Anteile von Sonnenlicht durchlassen und sehr stabil sind.

Die hintere Rückwand und ein Stück der Stirnseite haben wir mit Glas U-Profilen verkleidet. Diese sind lichtdurchlässig und winddicht und sie senken den Lärmpegel zu unseren Nachbarn.

Der Innenausbau

Innen haben wir das Schutzhaus (Wände, Boden und Dach) mit 60 mm Dämmwolle und Fermacellplatten verkleidet. Die originalen einfach verglasten Fenster wurden durch doppelverglaste Scheiben ersetzt.

Bemalung

Die Wände wurden mit abwaschbarer und schadstoffarmer Wandfarbe gestrichen.

Und dann kam unser großer Sohn zum Zuge. Der hat eine kreative Ader und hat dann die Wandbemalung vorgenommen. Ist auch ganz toll geworden.

Beleuchtungsanlage

Automatikdimmer Typ ACD 06 mit dimmbarer Lichtleiste mit Arcadia Birdlamp (1,2 m lang) mit elektronischem Vorschaltgerät. Das Vorschaltgerät sorgt dafür, dass das Licht auch für Vögel flimmerfrei ist. Die ArcadiaBirdlamp erzeugt das für Vögel notwendige UV-Licht in den Herbst- und Wintermonaten. Mit dem Automatikdimmer kann man zeitgesteuert den Sonnenauf- und Untergang simulieren. Zusätzlich kann man für die Nacht eine einstellbare Restbeleuchtung einstellen, damit die Vögel sich auch bei Dunkelheit noch orientieren können.

Vogelklappe

Hühnerhausschieber mit elektronischem Pförtner. Da wir die Vögel morgens nicht vor dem Aufstehen in die Außenvoli lassen wollen (Schonung der Nerven unserer Nachbarn) kann man mit dem Gerät die Klappe zeitgesteuert öffnen und schließen. Auch die Steuerung über die Helligkeit ist damit möglich.

Ausflug

Heizung

Elektrisches Wärmewellenheizgerät mit Thermostat. Wir wollen die Temperatur zwischen 5 und 10° C halten.

Fenster

Die Fenster und andere Kanten wurden mit Aluwinkeln vor Fraßschäden geschützt.

Volierengitter

Die Auswahl war wahrscheinlich die schwierigste Aufgabe. Die Vogelhaltergemeinde ist in diesem Punkt sehr gespalten. Edelstahl oder verzinkter Draht. Wir haben dann einen Kompromiss gefunden.

Aluminiumvolierenelemente mit verzinktem Draht (12,7 x 12,7 x 1,05 mm) und dann alles in Schokoladenbraun pulverbeschichtet. Die dunkle Farbe lässt einen sehr guten Durchblick zu. Außerdem ist die Beschichtung aus ungiftigem Kunststoff und hat eine hohe Lebensdauer. Auf eine Doppelverdrahtung haben wir erst einmal verzichtet, da unsere Vögel nachts im Haus schlafen sollen.

Einzug

 

 

Nach 9 Monaten war es dann geschafft. Und da sind sie nun, unsere ersten Bewohner.

So, hier endet unser Bericht und wir hoffen für unsere Vögel gute Bedingungen geschaffen zu haben und sie sich bei uns wohlfühlen.

Kosten

Nun noch eine kurze Übersicht zu den Kosten. Hoffentlich schreckt das keinen ab. Aber wenn man bedenkt, dass die Lieblinge eine Lebenserwartung von mehr als 20 Jahren haben und Provisorien ständig Folgekosten verursachen, erschien es uns im Interesse einer artgerechten Tierhaltung für vertretbar.

Material Kosten
Summe ca. 5.400,- €
Fundament (Eigenbau; Bagger Schotter, Beton) 1.200,- €
Blockhaus (Eigenbau, Bausatz) 1.559,- €
Holzbalken 280,- €
zusätzliche Innentür 100,- €
Glasdach, Thermoscheiben fürs Haus 600,- €
U-Glasprofilwand (gebraucht 5 Kästen Bier+ Selbstabbau) 80,- €
8 Volierenelemente (Maßanfertigung mit Tür und Drehteller) 400,- €
Pulverbeschichtung 200,- €
Innenausbau (Dämmung, Gipskarton, Farbe, Bodenbelag) 400,- €
Beleuchtung (inkl. Stromversorgung) 300,- €
Vogelschieber 200,- €
Heizung 70,- €
Diverser Kleinkram (geschätzt) 700,- €

Neuerungen im Frühjahr 2011

Nachdem die Sonne ja schon super kräftig scheint, mussten wir feststellen, dass sich unsere Vögel zu bestimmten Tageszeiten ins Haus zurückziehen. Es musste also eine Beschattung eingebaut werden. Und weil die Süßen ja duschen super toll finden, habe ich gleich noch eine Sprenkleranlage installiert.

Als Sprenkleranlage habe ich zwei Nebeldüsen von Gardena (Art. Nr. 01371-20) an der Weidenmatte mit ein paar Kabelbindern befestigt. An die Zuleitung (Gartenschlauch) noch ein Stellhahn angebracht um die Sprühstärke steuern zu können und fertig ist die Vogeldusche.

Material für die Dusche
Kosten
Summe 31,- €
Gardena Basisgerät 1000 (Artikelnr. 1355)
Es reguliert den Wasserdruck auf 1,5 bar herunter und hat gleichzeitig einen Filter mit eingebaut.
10,- €
Gardena Verteilerrohr/Schlauch 4,6 mm (Artikelnr. 1350), 15 Meter
Achtung! Nicht mit dem Tropfrohr verwechseln!
5,- €
Absperrventil 4,6 mm (Artikelnr. 8357)
Zum Herunterregeln der Wassermenge.
5,- €
T-Stück für Sprühdüsen (Artikelnr. 8332)
In dieses wird die Nebeldüse (Artikelnr. 1371) eingeschraubt.
4,- €
3,- €
Verschlussstopfen (Artikelnr. 1323) zum Verschließen des Schlauchendes. 4,- €

Als Beschattung habe ich eine Matte aus Weidenstäben unter unser Glasdach geschraubt. Die lässt noch etliches an Licht durch und nimmt der Sonne trotzdem eine Menge Kraft.

Und noch ein Bau- und Planungsfehler wurde sehr schnell sichtbar. Da unsere Vogelstangen an der Innenwand befestigt sind und die Vögel immer direkt an der Wand schlafen müssen, sind die Hinterlassenschaften, sprich der Vogelkot, ein „toller“ Anblick auf unseren bemalten Wänden.  Ständig mussten wir die Wand abwaschen, was unserem Wandbild natürlich auf Dauer nicht bekommt. Wir hätten besser beim Bau die Wände etwas schräg nach Innen zur Decke einbauen müssen, damit der Kot nicht an der Wand herunter laufen kann. Das ist natürlich jetzt zu spät. Vielleicht hilft der Hinweis aber jemand anderen noch als Denkanstoß.

Es musste also eine andere Lösung her. Wir haben dann senkrecht an der Wand noch kurze Äste angeschraubt. Nun können unsere Hauben nicht mehr direkt an der Wand sitzen und damit ihren Abfall nur noch beim Herumfliegen an die Wände verteilen.

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Autor: Bruno, letztes Update: 22.05.2011