Altersbestimmung anhand des Rings - ist das möglich?

Die Frage nach dem Alter seines Nymphensittichs stellt sich dem Halter besonders bei Abgabe- oder Fundtieren. Leider gibt das äußere Erscheinungsbild keine brauchbaren Informationen dazu. Die Länge der Schwanzfedern und der Haube oder die Schnabelfarbe sind nicht aussagekräftig. Auch von der Körpergröße kann man nichts auf das Alter des Nymphensittichs schließen. Das einzig hilfreiche in Bezug auf Jungvögel ist die Jungmauser. Färbt der Vogel sich um, dann ist er zwischen 5 und 9 Monate alt.

Nach § 17g Tierseuchengesetz und der Psittakose-Verordnung muß jeder Papagei und jeder Sittich in Deutschland einen Ring tragen. Die Psittakose ist eine Vogelkrankheit, die auf den Menschen übertragbar ist. Sie gilt als Seuche. Ein Züchter ist per Gesetz verpflichtet ein Zuchtbuch zu führen und seine Vögel zu beringen. Jeder Ring hat eine eindeutige Nummer. Er dient der Identifizierung des Vogels. Beim Verkauf wird die Nummer des Fußringes und die Adresse (ggf. Telefonnummer) des neuen Halters notiert. Sollte der Vogel nun an Psittakose erkranken, wird zurückverfolgt, wo er herkam. Nachfolgend wird auch der Herkunftsbestand auf Psittakose hin überprüft.   

Anhand des Rings kann man zudem Aussagen über das Alter des Vogels treffen. Man unterscheidet zwei Arten von Ringen, offene und geschlossene Ringe.

Achtung!

Das Tierseuchengesetz sowie die Psittakose-Verordnung schreiben die Beringung von Krummschnäbeln vor. Einen Ring erhält, wer eine Zuchterlaubnis hat. Das Züchten ohne diese und das nicht Beringen der Vögel ist gesetzeswidrig.

Wer die Ringnummer eines Vogels kennt, kann behaupten, dass der Vogel ihm gehört. Dies ist vor allem dann ungünstig, wenn der Vogel entflogen ist und der Finder den Halter sucht. Daher sollte die Ringnummer nie veröffentlicht oder weitergegeben werden. Man sollte für sich selbst jedoch die Nummer notiert haben.

Offener Ring

entfernter, offener Fußring mit sichtbarer Sollbruchstelle
entfernter offener Ring

Der offene Ring ist meist silberfarben. Es gibt sowohl matte als auch glänzende Ringe. Sie haben alle einen vertikalen Schlitz, die sogenannte Sollbruchstelle. Hieran ist eindeutig erkennbar, dass es sich um einen offenen Ring handelt. Das verwendete Material kann variieren. Am häufigsten handelt es sich um Aluminium

Dieser Ring gibt leider keine Information über das Alter. Er liefert lediglich eine Nummer. Mit dieser kann man sich an den Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands e.V. (kurz ZZF) wenden und erfragen, wann der Ring ausgegeben wurde (ringstelle@zzf.de). Angaben zum Züchter erhält man aus Datenschutzgründen in der Regel nicht.

Der offene Ring ohne Jahreszahl wird einerseits von Züchtern verwendet, die keinem Züchterverein angehören und nur gelegentlich brüten lassen. Andererseits nutzen Züchter diese Ringe als Ersatz. Es kommt vor, dass ihnen die geschlossenen Ringe ausgehen oder sie diese nicht mehr anlegen können, da das Küken schon zu groß ist.

Wenn man das Ausgabejahr des Ringes kennt, kennt man also das Maximalalter des Vogels. Denn der Ring kann schon Jahre vor seiner Verwendung ausgegeben worden sein.

Ein silberner Ring ist umgekehrt nicht immer ein offener Ring. Im Jahr 1997 waren die geschlossenen Ringe auch silberfarben. Des Weiteren gab es goldene Ringe, welche mit der Zeit die Farbe verloren. Dies kann auch bei anderen Ringfarben passieren. Daher ist nur die Sollbruchstelle das Erkennungsmerkmal für einen offenen Ring, sowie die Angaben, die auf ihm stehen.

Der Ring ist einfach zu lesen:

Beschriftungsmuster eines offenen Fußrings

Die Angabe des Bundeslandes kann fehlen.

Verbände, die offene Ringe ausgeben:

Z = Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands e.V. (ZZF)

B = Bundesverband für fachgerechten Natur- und Artenschutz e.V. (BNA)

Geschlossener Ring

Anhand des geschlossenen Rings ist eine Altersbestimmung möglich. Geschlossene Ringe werden jedes Jahr in einer anderen Farbe ausgegeben, welches das erste Indiz für das Schlupfjahr des Vogels ist. Circa alle 5 Jahre wiederholen sich die Farben. Das Schlupfjahr ist auf dem Ring vermerkt. Der am häufigsten verwendete AZ Ring ist folgendermaßen zu lesen ist:

Beschriftungsmuster eines geschlosseneb Fußringe

geschlossene AZ Ringe verschiedener Jahre

Die Zahl, die auf das P folgt, gibt somit Aufschluss auf das Schlupfjahr. In unserem Beipsiel also 2008. Das P vor der Jahreszahl steht dabei für Psittakose und ist nur auf den Ringen von Psittaciden zu finden. Nicht verwendete Ringe muss der Züchter zwei Jahre nach Bezug aufbewahren.

Auf den entsprechenden Webseiten der Verbände erhält man weitere Informationen zu den Ringen und wie sie zu lesen sind.

Bekannte Zuchtverbände sind:

AZ = Vereinigung für Artenschutz, Vogelhaltung und Zucht e.V.

DKB = Deutscher Kanarienzüchterverbund e.V. -> Ringaufbau

DSV = Deutsche Standard-Wellensittich-Züchter-Vereinigung e.V.

VZE = Vereinigung der Ziergeflügel- und Exotenzüchter

Hier die Farben der Ringe. Gold wurde zur besseren Lesbarkeit durch Lila ersetzt. Die Farbe Orange wurde für 2010 erstmalig festgelegt.

1991: n.b.
1992: n.b.
1993: blau
1994: grün
1995: rot

1996: schwarz
1997: silber
1998: blau
1999: gold
2000: grün

2001: rot
2002: schwarz
2003: blau
2004: gold
2005: grün 
2006: rot
2007: schwarz
2008: blau
2009: lila
2010: orange

Hat man einen Nymphensittich ohne Ring, ist dies kein Grund zur Beunruhigung, solange man nicht züchten möchte. Die Gründe für einen fehlenden Ring können ein Züchten ohne Zuchterlaubnis oder die absichtliche Entfernung aus gesundheitlichen Gründen sein. Hat sich das Füßchen z.B. entzündet, wird der Ring vom Tierarzt entfernt. Er muß vom Halter jedoch aufbewahrt und die Nummer notiert werden.

Autor: Mirical, letztes Update (Susi): 13.12.2009