rund um Käfig und Voliere
Welche Behausungen sind absolut tabu?
Es gibt eigentlich nur eine Art von Behausung die absolut tabu ist - runde Käfige.
In runden Käfigen können Vögel sich nicht richtig orientieren und zeigen auf Dauer Verhaltensstörungen. Das sollte man seinen Tieren also definitiv nicht zumuten!
Auch alles, was einem runden Heim nahe kommt, ist nicht empfehlenswert. Dies umfasst auch eventuell größere sechs- oder achteckige Volieren.
Nebenstehendes Bild zeigt Abgabevögel, die mit diesem Käfig übernommen wurden. Dieser Käfig ist aufgrund seiner Form, seiner Größe und auch der Gitterfarbe (weiß blendet) nur für Dekozwecke geeignet. Kein Nymphensittich und auch keine andere Art sollte darin leben müssen.
Der richtige Standort
Bevor man die neue Behausung seiner Schützlinge kaufen geht, oder sie gar selber baut, sollte man sich den Standort gut überlegen. Der Standort sollte:
- hell sein, doch ohne vollständige, direkte Sonneneinstrahlung
- vor einer Wand sein, denn Nymphensittiche sind Fluchttiere - stehen sie mitten im Raum sind sie permanentem Stress ausgesetzt
- die oberen Sitzstangen sollten mindestens in Augenhöhe angebracht sein
- zugfrei sein (mit einem Streichholz testen)
- in einem Nichtraucherzimmer sein
- nicht direkt an einer Heizung sein, da dies die Schleimhäute austrocknet und somit die Anfälligkeit für Krankheiten steigt
- nicht in der Küche sein, denn die Kochdünste sind nichts für Vögel
Das ist zugegebenermaßen nicht ganz einfach, aber sonst fühlen sich die Geierlein nicht richtig wohl. Als ich in der Nymphensittichhaltung noch neu war, habe ich meine zwei Racker tagsüber immer vor das Fenster gerollt, damit sie schön raus sehen können. Einen Gefallen habe ich ihnen damit nicht getan. Das habe ich aber erst gemerkt, als ich damit aufgehört habe, denn plötzlich taten sie auch das, was alle anderen von ihren Neuzugängen berichteten - sie erkundeten beim Freiflug ausgiebig das Zimmer und flogen dann irgendwann auch auf den Boden. Das machen Nymphensittiche nur, wenn sie Hunger haben und dort etwas zu finden ist, oder sie sich sehr sicher fühlen.
Käfig oder Voliere - die richtige Größe?
Diese Frage ist sehr einfach zu beantworten - Voliere!
Nymphensittiche fliegen in der Natur bis zu 100 km/h. Wer einmal gesehen hat, wie gut und vor allem schnell sie auch in der Wohnung fliegen, wird das schnell erkennen. Ab welcher Größe verdient eigentlich ein Käfig den Namen "Voliere"?
Auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort, denn Voliere kommt vom lateinischen Wort "volare" und bedeutet "fliegen". Was also für einen Zebrafinken eine Voliere ist, ist für einen Nymphensittich noch lange keine und erst recht nicht für einen Papagei. Damit muss man feststellen, dass längst nicht überall, wo Voliere drauf steht, auch Voliere drin ist.
Stellt sich also die Frage, wie groß eine Voliere sein muss, damit z.B. zwei Nymphensittiche darin fliegen können. Eine paar Flügelschläge können sie sicher schon ab einer Größe von 100 x 60 x 100 cm (B x T x H) machen, doch um so richtiges Fliegen zu ermöglichen, müsste sie um einiges größer sein. So erklärt sich, weshalb die Tierärtzliche Vereinigung für Tierschutz in ihrer Kurzinfo zu Nymphensittichen eine Mindestgröße von 150 x 70 x 100 cm (B x T x H) angibt. Nymphensittiche sind keine Hubschrauber und benötigen daher vor allem eine entsprechende Breite und Tiefe. Für jedes weitere Paar sollte die Grundfläche um 50% steigen. Es wird explizit darauf hingewiesen, dass die Vögel trotzdem Freiflug im Zimmer benötigen.
Tja, nur sind das Maße, die kaum jemand in seiner Wohnung unterbringen kann oder will und viele Einsteiger fragen sich, weshalb solche Maße nötig sind, wo doch immer noch so viele Leute ihre Nymphensittiche in kleinen Käfigen halten. Hat man jedoch die Möglichkeit, die Tiere in einer Voliere dieser Größe zu beobachten, wird man schnell feststellen, warum - sie sind dort eben einfach sehr viel zufriedener.
Es gilt das Motto: Je größer, desto besser! Die Höhe der Voliere ist dabei nicht auszunehmen, denn im Forum haben viele Mitglieder die Erfahrung gemacht, dass Nymphensittiche den ganzen Raum nutzen, der ihnen zur Verfügung steht.
Kleine Käfige oder Volieren, die ein paar Flügelschläge erlauben, sind bei entsprechendem Freiflug und nicht gegebenen Wohnraum möglich, doch ist hier besonders auf täglichen, mehrstündigen Freiflug zu achten. Mit einer Stunde am Tag ist es dann bei weitem nicht getan.
Die im Handel gängigen Großsittichkäfige können maximal als Schlaf- und Futterstelle oder als Krankenkäfig dienen. Verglichen mit einer menschlichen Wohnung haben sie die Größe einer Gästetoilette. Wer will sich da schon den ganzen Tag aufhalten?
Der richtige Gitterabstand
Volieren entsprechender Größe haben häufig ein großes Problem. Der Gitterabstand ist viel zu groß.
Für Nymphensittiche darf der Gitterabstand 1,9 cm nicht überschreiten.
Dies gilt sowohl für eine Verdrahtung, aber mehr noch für Quer- oder
Längsstreben, da die Sittiche hier ihren Kopf drehen und ihn dann
womöglich doch durch das Gitter stecken können.
Nicht selten sieht man auch Käfige mit einem Gitterabstand von 2 cm.
Dies ist vor allem an Stellen problematisch, wo man es bei der
Produktion nicht so genau genommen hat und er weiter ist als er
eigentlich sein sollte oder die Streben leicht verbogen sind. Das sind
zwar nur einige wenige Stellen, aber genau dort besteht leider
Strangulationsgefahr.
Lange Zeit haben wir selbst gedacht, dass 2 cm doch total o.k. sind –
bis zu dem Tag als ein Neuzugang kam und die Nymphensittiche zueinander
wollten. Einem wird ganz anders, wenn man selbst sieht, dass die Vögel
ihren Kopf durchs Gitter stecken und versuchen auch ihren Körper
hindurch zu quetschen.
Das Material des Gitters
Das Material des Gitters ist ein weiterer kritischer Punkt, denn leider sind sehr viele Volieren im Handel, die für Vögel auf Dauer giftig sind, da durch das Klettern am Gitter Schwermetalle in den Organismus gelangen. Die Symptome einer schleichenden Schwermetallvergiftung sind sehr unterschiedlich und oftmals nicht leicht erkenn- und diagnostizierbar.
Bei käuflich zu erwerbenden Käfigen und Volieren findet man vornehmlich folgende Varianten:
Verchromte Gitter
Verchromte Gitter sind unbedenklich. Zwar ist Chrom als Schwermetall ebenfalls schädlich, doch kann dieses aufgrund der Veredelungstechnik nicht in den Vogelkörper gelangen. Verchromtes Gitter glänzt jedoch, so dass der Vogel geblendet wird. Aus diesem Grund sind glänzende Gitter nicht empfehlenswert.
Verzinkte, chromatierte Gitter
Wer sich nun mit seinem glänzenden Käfig zumindest in Bezug auf Gifte sicher fühlt, sollte genau prüfen, ob sein Käfig denn wirklich verchromt ist oder nicht vielleicht aus chromatiertem Zink besteht. Beide kann man optisch kaum voneinander unterscheiden.
Chromatierte Käfiggitter sind in vielen Fällen giftig, da sie Chrom(VI)-haltig sein können. Dies ist für Mensch und Tier hochgiftig und krebserregend. Aus diesem Grund wurde die Verwendung im September 2000 teilweise verboten.
Vor allem alte Käfige werden giftig sein, da die nicht
Chrom(VI)-haltigen Verfahren erst in den letzten Jahren entwickelt
wurden. Erkennen kann man diese Art der Verzinkung bei älteren Käfigen
wenn sich Weißrost zeigt (kleine weiße Pünktchen). Dieser ist meist
leicht durch Abkratzen zu entfernen. In diesem Fall sollte man den Käfig
umgehend gegen einen ungiftigen tauschen, denn durch Klettern am Gitter
nehmen die Vögel ständig giftige Schwermetalle auf.
Vermessingtes Gitter
Vermessingte Gitter werden häufig bei kleineren Käfigen eingesetzt. Sie
sind schon aufgrund ihrer Größe ungeeignet, aber nicht giftig. Die
Streben sind zunächst mit einem durchsichtigen Lack überzogen. Dieser
nutzt sich jedoch nach und nach ab und man sieht es an grünlichen oder
auch rostigen Stellen.
Aufgrund der Größe der uns bekannten Käfige und dem möglichen Blendeffekt möchten wir auch dieses Käfiggitter nicht empfehlen.
Kunststoffummanteltes Gitter
Häufig findet man diese Art von Gitter bei Volieren für Kanarienvögel
und Finken. Für sie ist diese Art des Gitters auch in Ordnung.
Nymphensittiche werden jedoch früher oder später die
Kunststoffbeschichtung abknabbern. Uns ist nicht bekannt welches Metall
sich darunter befindet, doch wird es wahrscheinlich rosten und im
schlechtesten Fall ebenfalls verzinkt sein. Daher raten wir von der
Nutzung von Kunststoffummantelungen für Nymphensittiche ab.
Pulverbeschichtungen
Anders als bei Kunststoffummantelungen wird die Pulverbeschichtung aus Kunststoff auf das Gitter quasi gebrannt. Pulverbeschichtungen aus Kunststoff sind ungiftig. Die Händler, die diese Volieren anbieten, werben mit der Ungiftigkeit der Beschichtung oder weisen diese in einem Zertifikat einer Universität nach. Wichtig ist hierbei, dass die Beschichtung intakt bleibt.
Vorsicht ist dennoch geboten, denn es gibt auch metallisch pulverbeschichtete Käfig- und Volierengitter, wo mit ungiftigen, TÜV geprüften Beschichtungen geworben wird. Diese Prüfung gibt es jedoch nicht. Würde es sie geben müsste dabei stehen, welcher TÜV geprüft hat und welche Nummer das Zertifikat besitzt. Unter dieser Zertifikatsnummer könnte man bei dem jeweiligen TÜV (Nord, Süd, Rheinland usw.) im Internet einsehen was geprüft wurde. Uns ist auch nicht bekannt, dass der TÜV überhaupt auf Ungiftigkeit für Vögel prüfen würde. Die meisten Tests beziehen sich auf die Sicherheit für den Menschen.
Bei dieser Art Volieren handelt es sich nicht um eine Pulverbeschichtung
aus Kunststoff. Man erkennt es auch daran, dass die Beschichtung
metallisch glänzt. Dieses Glänzen ist nur durch die Verwendung von
Metallen zu erzielen. Metallisch glänzende Pulverbeschichtungen sind
jedoch als giftig anzusehen.
Vertraue keinen angeblichen TÜV Prüfungen ohne den prüfenden TÜV und die Zertifikatsnummer genannt zu bekommen. Metallisch glänzende Pulverbeschichtungen sind mit Schwermetallen belastet, denn nur deshalb glänzen sie überhaupt.
Empfehlungen
Unbedenklich ist Edelstahl in jeglicher Form. Dies ist jedoch sehr teuer. Die einzige uns bekannte und dauerhaft haltbare Alternative ist eine Pulverbeschichtung aus Kunststoff. Diese wird unseres Wissens nach derzeit ausschließlich von zwei Herstellern angeboten. Dies sind zum einen die Volieren der Marke „Montana“ und zum anderen die des Vogelladens. Der Vogelladen belegt die Ungiftigkeit als einziger mit einem Zertifikat der Tierhochschule Hannover.
Quer- oder Längsverdrahtung?
Die Verdrahtung ist ein heiß diskutiertes Thema. Viele Vogelseiten empfehlen eine Querverdrahtung, weil die Vögel daran besser klettern können. Dies ist auch zweifelsohne richtig. Die Frage ist allerdings, ob dies erwünscht ist.
Alte oder behinderte Tiere werden es mit einer Querverdrahtung sicherlich einfacher haben sich frei zu bewegen. Vögel mit Schnabelfehlstellung oder sehr weichem Schnabelhorn (bitte tierärztlich untersuchen lassen!) könnten ebenfalls Probleme haben oder bekommen. Hier erscheint eine Querverdrahtung durchaus sinnvoll, wenn man keine zusätzlichen Kletterhilfen anbieten kann oder möchte.
Gesunde Vögel sollen gesund bleiben, indem sie sich so viel wie möglich bewegen. Wir empfehlen Volierengrößen, die Nymphensittichen das Fliegen in der Voliere ermöglichen. Fliegen ist meist anstrengender als Klettern. An Längsverdrahtung ist ein Klettern aber auch recht anstrengend. Die Alternative Fliegen wird hier unseren Beobachtungen nach viel häufiger gewählt und das ist unserer Ansicht nach durchaus wünschenswert. Nicht selten haben Nymphensittiche Probleme mit Übergewicht und Verfettung. Nicht nur beim Menschen gilt: Wer rastet, der rostet.
Es haben mittlerweile einige Halter Erfahrungen mit längsverdrahteten Gittern und uns sind keine Probleme beim Klettern berichtet worden, wenn sich die Vögel erst einmal daran gewöhnt haben.
Die Gitterfarbe
Zur Vermeidung von Blendeffekten sind folgende Farben zu vermeiden:
- helles Weiß
- glänzendes Gitter
Je dunkler die Farbe, desto besser kann man hinein- und herausschauen. Zwar scheint es darüber unterschiedliches Empfinden unter den Nymphensittichhaltern zu geben, doch wenn man einmal durch ein weißes und schwarzes Fliegengitter schaut, dann wird man feststellen, dass man durch das schwarze Fliegengitter viel besser sieht. So ist es auch bei Volierenverdrahtungen. Empfehlenswert ist daher dunkles Gitter wie Schwarz, Anthrazit oder Dunkelbraun.
Wozu dienen Kotgitter?
Viele Volieren im Handel sind mit einem Kotgitter ausgestattet. Ihr
eigentlicher Zweck besteht darin, die Vögel vom Volierenboden und damit
ihren eigenen Ausscheidungen fern zu halten. Vermischt sich der Kot mit
Einstreu und Resten von Obst und Gemüse entwickeln sich schnell
Bakterien. Durch ein Kotgitter kommen die Vögel jedoch nicht mit diesem
Mix in Kontakt. Ein Kotgitter wird somit aus hygienischen Gründen
mitgeliefert. Es ist so auch möglich Papiertischdecke oder
Zeitungspapier zu nutzen und gar keine Einstreu. Dies erleichtert die
Beobachtung von Kotveränderungen sehr.
Die Kehrseite ist, dass sich besonders Nymphensittiche gerne am Boden
aufhalten und sich mit der Einstreu beschäftigen. Hier muss man den
Beschäftigungseffekt gegen die Hygiene abwägen. Die Einstreu muss
ohnehin regelmäßig gewechselt und Frischfutterreste müssen zeitnah
entfernt werden, so dass viele Halter Einstreu in ihren Volieren haben
und keine Kotgitter nutzen.
Sehr praktisch sind Kotgitter auch, um den Volierenboden für eine etwaige Brut ungemütlich zu machen.
Wer sie aber gar nicht benötigt, kann sie auch prima an die Wand hängen und so eine Kletterwand anbieten.
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Autor: Susi, letztes Update: 02.02.2012




