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Freileben in Australien

freilebender Nymphensittichschwarm, hier: auf einer Stromleitung
Das Landesinnere: Blick vom Uluru (Ayers Rock)
Das Landesinnere: Blick vom Uluru (Ayers Rock)

Die Heimat der Nymphensittiche ist Australien. Nur dort hat man die Möglichkeit Nymphensittiche in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten. Das Land der roten Erde, den ewigen trockenen Weiten und schroffen Canyons, der brennenden Sonne und dem starken Regen. Das Land ist so unterschiedlich und doch kann man überall schnell erkennen, dass man in Australien ist. Im ganzen Land findet man die typische rote Erde.

Bei Mensch, Tier und Pflanzen sind Einfallsreichtum und Flexibilität gefordert, um zu überleben. Lange Dürrezeiten in den einen Teilen und heftige Regenzeiten in anderen Landesteilen, verbunden mit hohen Temperaturen und bisweilen tropischer Luftfeuchtigkeit wechseln sich ab. Buschbrände und auch große Feuer suchen das Land regelmäßig heim. Vor allem die pflanzlichen und tierischen Bewohner haben sich über die Jahrhunderte diesen Bedingungen perfekt angepasst.

Verbreitungsgebiet

Verbreitungsgebiet freilebender Nymphensittichpopulationen in Australien
Verbreitungsgebiet, Quelle: birdata.com.au

Nymphensittiche werden im gesamten Land mit Ausnahme der Küsten- und Tropengebiete gesichtet. Ihre Heimat ist das Landesinnere. Lediglich in sehr trockenen Jahren sind sie an der Westküste anzutreffen.

Sie zählen damit neben den Wellensittichen zu den am häufigsten vorkommenden Papageien des Kontinents. Mit seinem stromlinienförmigen Körperbau, den langen Flügeln und den Steuerfedern ist er bestens für die Überwindung weiter Strecken gerüstet und an das Leben in der Gras- und Buschsavanne angepasst.

Schaut man sich nebenstehende Abbildung an, so könnte man meinen, Nymphensittiche müssten einfach im Land zu finden sein. Diese Karte zeigt jedoch nicht, zu welcher Jahreszeit sich die Vögel an welchem Ort aufhalten. Somit täuscht der Eindruck.

Eigene Beobachtungen machen

Landschaft Australiens
Landschaft Australiens

Trotz des häufigen Vorkommens ist es kein leichtes Unterfangen Nymphensittichschwärme in der Natur auszumachen. Und doch ist es der Traum vieler Halter einmal wilde Nymphensittiche in Australien zu sehen. Macht man sich auf den Weg sollte einem klar sein, dass die Fläche, auf der man sucht riesig ist und die Schwärme im Vergleich dazu recht klein sind.

Für unsere eigene Tour nach Australien hätten wir gerne einen Führer engagiert. Dies war uns trotz einiger Bemühungen nicht möglich. Die Wahrscheinlichkeit fündig zu werden sei zu klein, sagte man uns. Nachdem wir uns vor Ort ein Bild gemacht hatten, verstanden wir, weshalb. Dass freilebende Nymphensittiche häufig mehrere Hundert Kilometer am Tag zurücklegen, um Futter zu suchen, war uns bekannt. Dass man ihnen dabei unmöglich folgen kann, erkannten auch wir schnell. Als Australiens schnellste Flieger mit bis zu 100 km/h kann man ihnen kaum folgen. Es bleibt einem nur viel Zeit mitzubringen und selbst auf die Suche zu gehen. Weiterhin benötigt man sehr viel Glück.

Als Tourist, der die typischen Wege entlang der Küsten fährt, bekommt man wilde Nymphensittiche kaum zu Gesicht.

Am ehesten erkennt man wilde Nymphensittiche an ihrem typischen Flug in Formationen und den Kontaktrufen, die jedem Halter nur allzu bekannt sind. Möchte man sie länger beobachten, ist man darauf angewiesen, sie bei der Nahrungsaufnahme, beim Ruhen oder Brüten zu finden.

Futter

Nymphensittiche sammeln ihr Futter zum Großteil am Boden. Dort sind sie durch ihre Farbe gut getarnt. Immer auf der Hut, fliegen sie bei jedem ungewöhnlichen Vorkommnis auf.

Als Nomaden ziehen sie im Land umher. Sie meiden Gebiete in denen kein Regen fällt und tauchen dort auf, wo sie gute Futter- und Brutbedingungen vorfinden. Mit dem einsetzenden Regen sprießt das Gras und keimen die Samen. Bis diese halbreif sind vergeht nicht viel Zeit. Halbreife Saaten bilden die Hauptnahrungsquelle, doch auch die Aufnahme von Akaziensamen und Mistelbeeren konnte im Freiland beobachtet werden. Auf den großflächig angelegten Hirse- und Getreidefeldern finden sie ein gutes Nahrungsangebot. Bei Farmern sind die Ernteschädlinge nicht willkommen.

Nähern kann man sich ihnen nur sehr schwierig. Schnell fliegen sie auf und setzen sich auf nahe gelegene unbelaubte Bäume oder auf Stromleitungen. Dicht belaubte Bäume und Wälder meiden sie.

Brut

Das Nahrungsangebot bestimmt die Brutzeit und die Bruthäufigkeit. Nymphensittiche beginnen sofort mit der Brut, wenn das Nahrungsangebot reichhaltig ist. Das ist es, wenn nach langen Dürreperioden die Regenfälle einsetzen.

Aufgrund der starken Wasserabhängigkeit wählen sie Brutplätze in der Nähe von Wasservorkommen. Oft trifft man sie an Wasserläufen, die von Eukalyptusbäumen gesäumt sind. Dort nutzen sie die meist schon vorhandenen Höhlen in 3 bis 4 Meter Höhe. Sie sind nicht wählerisch und beziehen auch zu klein erscheinende Löcher. Sie kriechen rückwärts in die Höhle, wodurch sie ständig nach Feinden Ausschau halten können.

Mehr als zwei Bruten im Jahr sind aufgrund der Gegebenheiten kaum möglich. Ist das Brutgeschäft erledigt startet die Mauser. Diese erstreckt sich über 2 Monate, damit die Flugfähigkeit über die gesamte Zeit gewährleistet ist.

Video
 

Videobox

Wilde Nymphensittiche bei der Aufzucht

Natürliche Feinde und Lebenserwartung

Die natürlichen Feinde der wilden Nymphensittiche sind vor allem australische Falken. Bei ihren Überraschungsflügen versuchen sie durch schnelles Auffliegen und Formationsbildung zu entkommen. Dies gelingt in den allermeisten Fällen und es werden hauptsächlich kranke oder sehr junge Vögel erbeutet.

Die Lebenserwartung in der Wildnis wird in der Literatur mit 12 bis 14 maximal 16 Jahren angegeben. In Gefangenschaft wird dieses Alter besonders von Hähnen teils deutlich übertroffen.

Nymphensittchhenne auf einer Stromleitung

unsere Buchtipps und Quellen:

Autor: Susi, letztes Update: 06.04.2011