Wissen - Verhaltensstörungen

Rupfen

Beim Rupfen ist zu unterscheiden in das Selbstrupfen, das Rupfen des Partnervogels und das Rupfen der Küken.

Das Anlegen einer Halskrause zur Verhinderung des Rupfens sollte ausschließlich auf Anraten eines vogelkundigen Tierarztes erfolgen. Solange der Nymphensittich sich nicht selbst verstümmelt, sollte man darauf verzichten, um ihn psychisch nicht noch weiter zu belasten.

Den Einsatz von bitteren Sprays, um das Rupfen zu verhindern, ist genauso erfolglos wie Daumenlutschern die Daumen einzupinseln. Im schlechtesten Fall verstärkt es das Rupfen.

Vorsicht auch beim Einsatz von Salben, um kahle Hautstellen zu behandeln! Kommt Salbe ins Gefieder, kann dies das Rupfen noch verstärken, da der Vogel versucht sie sich aus dem Gefieder zu putzen.

Selbstrupfen

Selbstrupfer
Selbstrupfer

Rupfen ist ein äußeres Zeichen dessen Ursachen sehr schwer zu finden sind, da es viele mögliche Ursachen für diese Verhaltensstörung gibt. Eine Näherung ist nur nach dem Ausschlussprinzip möglich. Merkt der Halter, dass sein Vogel rupft, ist höchste Eile geboten, denn häufig fällt das Rupfen unbedarften Haltern erst auf, wenn sich erste kahle Stellen zeigen.

Doch schon bevor sich kahle Stellen zeigen kann man vermehrtes Putzen beobachten oder auch leicht quietschende Geräusche, die der Vogel beim Putzen von sich gibt. Übermäßig viele Federn findet man zu Beginn häufig gar nicht.

Bei Nymphensittichen wird im Anfangsstadium häufig zunächst unter den Flügeln und/oder die Hose gerupft, also das Bein. Sieht der eigene Nymphensittich komisch nackt an den Beinen aus, so rupft er sich. Duscht man die Vögel kann man unter ihre Flügel schauen. Kahle Stellen werden so schnell sichtbar.

Ein deutliches Zeichen ist der Aufschrei beim Ausrupfen einzelner Federn oder das Auffinden kleiner Federchen mit einem Rest des Kiels, der teilweise noch durchblutet ist.

Gerupfter Bauch, gerupfter Schwanz und gerupfte Beine
Bauch, Schwanz und Beine gerupft

Spätestens wenn kahle Stellen sichtbar werden besteht Handlungsbedarf. Der Gang zum vogelkundigen Tierarzt ist unumgänglich, denn viele mögliche Ursachen sieht man nicht. Der Tierarzt sollte ein ausgewiesener Facharzt für Ziervögel sein, also ein echter Spezialist auf dem Gebiet von Papageienvögeln. Bei Rupfern ist dies wichtiger als alles andere, denn reines Ansehen oder eine einfache Kotprobe kann keine Ursache zu Tage bringen.

Wir empfehlen für den Anfang die folgenden Untersuchungen durchführen zu lassen:

  • Untersuchung auf Parasiten (Federn, Haut)
  • Kotuntersuchung auf Giardien
  • Betrachtung der Haut und bei äußeren Anzeichen ggf. eine Untersuchung auf Hautpilz (Hautgeschabsel)
  • Röntgen
  • Blutuntersuchung der Leber- und Nierenwerte, sowie auf Schwermetalle (vor allem Zink, aber auch Blei)
  • Test auf die Virusinfektionen Polyoma und PBFD (über Feder oder Blut)
Beim Rupfen erwischt!
Beim Rupfen erwischt!

Bei sehr empfindlichen Tieren kann man nicht alle Untersuchungen an einem Termin erledigen, da das zu anstrengend wäre. Weitere Untersuchungen sind in Absprache mit dem Fachtierarzt vorzunehmen.

In jedem Fall empfiehlt es sich das Futter über einen längeren Zeitraum durch ein Zusatzfuttermittel zu ergänzen, um eine Mangelernährung auszuschließen.

Parallel sollten die Haltungsbedingungen überprüft werden, wie es schon bei den generellen Ursachen steht.

Zusätzlich sollte man speziell bei Rupfern sein Augenmerk auf das Raumklima richten, denn auch eine zu geringe Luftfeuchtigkeit kann zu trockener Haut, Juckreiz und damit zu Rupfen führen. Nymphensittiche sollten immer die Möglichkeit haben zu baden. Auch eine Dusche aus der Sprühflasche mögen viele Nymphensittiche sehr gerne.

Leider kommt es vor, dass man weder ein gesundheitliches Problem ausmachen kann, noch in der Haltung offensichtliche Probleme zu erkennen sind. Auch Nymphensittiche im Schwarm können zu Rupfen beginnen. Häufig handelt es sich hier um sehr sensible Tiere, die Erlebnisse der Vergangenheit nicht unbeschadet bewältigen konnten. Die zeitweilige Einzelhaltung oder sonstige traumatische Erlebnisse können dazu führen. Die Probleme liegen in ihrer Psyche begründet, denn andere Nymphensittiche mit den gleichen Erlebnissen können diese ganz anders verarbeitet haben und rupfen nicht.

Sofern man alternativen Methoden aufgeschlossen gegenüber steht, kann möglicherweise ein Tierheilpraktiker eine Therapie mit Bachblüten und Licht erarbeiten. Häufig ist dies das letzte Mittel, was der Halter angeht und das Rupfen hat sich schon manifestiert und ist zur schlechten Angewohnheit geworden. Die Erfahrung zeigt, dass hier häufig nur noch eine Besserung  des Allgemeinbefindens erreichbar ist, aber häufig nicht eine "Heilung" vom Rupfen. Dennoch möchten wir diesen Weg parallel zu allem anderen empfehlen, um die Situation für den Rupfer zu verbessern.

Partnerrupfen

Nymphensittich mit gerupftem Kopf
gerupfter Kopf - "Geier"

Das Partnerrupfen ist leider recht weit verbreitet. Man erkennt es daran, dass ein Tier an Stellen gerupft ist, wo es sich selbst nicht rupfen kann. Dies ist in aller Regel der Nacken bzw. der Hals, manchmal aber auch ein Teil des Kopfes oder auch der gesamte Kopf. Nymphensittiche mit kahlem Kopf werden häufig als "Geier" bezeichnet.

Für den Halter ist dies nicht schön, der gerupfte Vogel erträgt es aber in der Regel tapfer oder sieht es gar als Liebesbeweis. Häufig handelt es sich um sehr liebevoll miteinander umgehende Paare, die man aus diesem Grund auch keinesfalls trennen sollte. Die Optik stört die Vögel nicht, sondern nur den Halter.

Ein Mittel gegen diese Art des Rupfens ist leider nicht bekannt. Die Ursachen dafür liegen möglicherweise darin, dass der rupfende Partner als Jungvogel von seinen Eltern gerupft wurde und so gelernt hat seine Zuneigung auszudrücken. Ein anderer möglicher Grund liegt darin seine Dominanz und die enge Zusammengehörigkeit zu zeigen. Rupft die Henne, ist es auch möglich, dass sie brüten möchte.

Rupfen der Küken

gerupftes Küken
gerupftes Küken

Das Rupfen der Küken durch die eigenen Eltern stellt leider ein weit verbreitetes Problem dar. Häufig handelt es sich dabei um besonders fürsorgliche Elternvögel. Die Gründe für das Rupfen lassen sich nur erahnen. Es wird angenommen, dass die Eltern als Küken selbst von ihnen Eltern gerupft wurden. Tun kann man dagegen leider nichts.

Es empfiehlt sich genau zu beobachten welcher Elternteil rupft und diesem dann notfalls den Zugang zu seinen Küken nur noch unter Aufsicht zu gewähren oder in sehr schlimmen Fällen vollständig zu verwehren. Dies sollte jedoch nur geschehen, wenn das Küken durch das Rupfen blutet.

Die erste Stufe ist immer die Trennung vom rupfenden Elternteil und die Gewährung des Zugangs für die Fütterung der Küken unter der Aufsicht des Halters. Kommt es auch hier zu starkem Rupfen muss man sehen, ob ein Elternteil allein die Fütterung schafft oder ob man selbst zufüttern muss. Dies hängt stark vom Alter der Küken ab.

Eine Trennung von beiden Eltern sollte nur im absoluten Notfall erfolgen, denn die weitere Aufzucht durch den Menschen birgt eine größere Gefahr von Verhaltensstörungen bei den Küken als nur ein wenig gerupft zu werden!

Autor: Susi und kiara, letztes Update: 21.10.2010

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